Joerg W von den Fulbrights lobt mal wieder Davids Medienkritik. Wie gesagt, die deutschen Medien sind eben so anti-amerikanisch. Wenn dem nur so waere... Die Amis handeln anti-amerikanisch und das muss so auch gesagt werden. Seit 2002 gibt es hier noch weniger einflussreiche Stimmen, die ein wenig Vernunft zeigen.
Via Atrios spricht Dan Froomkin von der Nieman Foundation ueber das Problem des amerikanischen Journalismus: Er nennt Rinderkot nicht Bullshit.
What is it about Jon Stewart and Stephen Colbert
that makes them so refreshing and attractive to a wide variety of
viewers (including those so-important younger ones)? I would argue
that, more than anything else, it is that they enthusiastically call
bullshit.
Calling bullshit, of course, used to be central to journalism as well as to comedy.
Und BS passiert nicht bei Demokraten genau wie bei Republikanern:
But there are different kinds of bullshit. Republican political leaders
these past six years have built up a massive, unprecedented credibility
deficit, such that even their most straightforward assertions invite
close bullshit inspection. By contrast, Democratic bullshit tends to
center more around hypocrisy and political cowardice. Trying to find
equivalency between the two would still be a mistake – and could lead
to catty, inside-baseball gotcha journalism rather than genuine
bullshit-calling.
Das ist ja alles nicht neu. Deshalb ist es eben so erstaunlich, dass Fulbright Scholars offensichtlich den Unterschied zwischen Anti-Amerikanismus und Kritik an unamerikanischem Verhalten der verantwortlichen Amerikaner nicht verstehen.
Wir sollten doch nicht vergessen, dass USA heute nicht USA in den 60er und 70er Jahren ist. Trotz Vietnam gab es damals einen Krieg gegen die Armut. Nixon sagte "wir sind jetzt alle Keynesianer." Politiker von damals erkennen ihr eigenes Land nicht mehr. In den 70er und 80er Jahren, als ich aufwuchs, mag es Anti-Amerikanismus im grossen Stil gegeben haben. Doch heute?
Dass David' Medienkritik kein Interesse an Objektivitaet hat ist bedauerlich aber sehr konservativ amerikanisch. Wer sich in der Medienlandschaft hier in USA auskennt, weiss wovon ich spreche. Dass Akademiker, und dann auch noch Fulbright Scholars, so schlechte analytische Faehigkeiten haben ist ein Skandal.
Ich kann mich noch daran erinnern wie in den 90ern SPD Leute das Heil Deutschlands in den Sozialhilfepolitiken in Wisconsin gesucht haben. Und die Steuerfreiheit fuer Unternehmensentflechtung ist auch von der SPD durchgebracht worden. Was hat's gebracht? Nichts.
Das sind nur zwei Beispiele wie selbst (moechtegern) Linke sich an Amerika orientiert haben, und das ohne grosse Opposition in den Medien. Doch die Auswirkungen dieser und aehnlicher Politiken sind und waren nicht so positiv wie erwartet. Auch in USA nicht. Kritik an solchen Politiken ist berechtigt und nicht anti-amerikanisch. Wenn wir dann von den letzten 5 Jahren sprechen, von den unverantwortlichen und sittenwidrigen Taten des Staates, dann sollte auch Davids Medienkritik solch Anti-Amerikanismus im eigenen Land anprangern. Kritik an solch gefaehrlichen Politiken im Ausland Anti-Amerikanismus zu nennen ist entweder dumm (wenn man Fulbright Scholar ist), oder Propaganda (wenn man David oder Ray von Davids Medienkritik ist).
P.S.: Joerg mag glauben, dass wenn er nicht alles so sieht wie Davids Medienkritik. Propagandisten ein Forum zu bieten, und sie auch noch loben, ist allerdings dumm.