Joerg Wolf von Atlantic Review schreibt auch ueber die moegliche Quelle des WSJ Leitartikels ueber unsere angebliche Scheinheiligkeit. Er sagt, dass sie wohl David's Medienkritik ist. Und David schreibt dann so was:
Clearly though, the most frightening aspect of IG Metall's "good caricature" is how similar it is to other German caricatures from about 70 years ago
Hmmm. Da stimmt doch was nicht. Und wer die letzten 10 Jahre (andere wuerden sagen die letzten 25 Jahre) mitbekommen hat weiss, dass das mit dem Blutsaugen gar nicht so weit hergeholt ist. Amerikanisches Management besteht aus nur einer Methode: Schafft das Rendite- (oder Kostensenkungs-) Ziel (und die Gewinne muessen immer staerker steigen um die immernoch zu hohen Boersenkurse zu rechtfertigen) oder ihr werdet entlassen oder verkauft.
Als Anekdote ist mir erzaehlt worden, dass bei Celanese in Frankfurt Energiekosten so weit gesenkt werden sollten, wie man das nur im verschwenderischen Amerika erreichen kann. Eine Beobachtung die man hier einfach machen kann sind Autos: GM ist fast insolvent und hat seit Jahrzehnten Marktanteil verloren. Warum? Weil die Japaner viel bessere Autos, und jetzt auch SUV's und Pick-up Trucks bauen. Und koennte GM Fahrzeuge so teuer wie Toyota verkaufen waeren da keine Probleme.
Wer dann aber auch den IG Metall Artikel liest sieht hier keine Propaganda die als Auslaenderfeindlich zu deuten ist. Das ist einfach Kapitalismuskritik, und nicht mal richtig Links.
Da ist doch wirklich die Frage ob das, was die Finanzfirmen tun, wirklich zu groesserer Effizienz und Produktivitaet fuehrt. In den USA ist es einfach so, dass sich nach den Deregulierungen der Finanzsektor ausgeweitet hat, der Rest der Wirtschaft aber nicht schneller gewachsen ist. Und fuer mich ist es schwer zu glauben, dass die Amerikaner froehlich mehr Finanzdienstleistungen konsumieren als andere Voelker.
Auch sehen wir in letzter Zeit Rekordgewinne fast ueberall auf der Welt. In den USA steigt die Produktivitaet, aber Realloehne der mittleren Einkommen sinken. Oekonomische Theorie haette etwas anderes vorhergesagt, und vor wenigen Tagen hat Glenn Hubbard uns das Gegenteil der Realitaet versprochen.
Ich sage hier nicht, dass die Theorie falsch ist. Allerdings gibt es da doch einige Entwicklungen der juengeren Vergangenheit, die erst mal anerkannt und erklaert werden muessen. Passive Akzeptanz alles markwirtschaftlichem kann nicht richtig sein, und fuehrt hier in den USA wirklich zu unglaublichen Zustaenden.
Soll man Amerika also wirklich voll und ganz nachahmen? Ich habe das schon immer abgelehnt, aber nach allen was hier ueber die letzten 10 Jahre passiert ist, muss ich dem Schroeder schon rechtgeben. Solche Zustaende wie hier sollte man in Deutschland auf jeden Fall vermeiden.
Und vielleicht sind sie doch Blutsauger?
"Soll man Amerika also wirklich voll und ganz nachahmen?"
Hallo? Kriegst Du nichts mehr mit in Deutschland?
Profitgier gibt es hier doch schon laengst. Da braucht man nichts aus Amerika nachahmen.
Nichts von den Skandalen der Deutschen Bank u.a. gehoert?
"Und vielleicht sind sie doch Blutsauger?"
Ich habe nicht so viel gegen die Bezeichnung Blutsauger, sondern gegen die Bezeichnung amerikanische Blutsauger, weil die Nationalitaet keine Rolle spielt und nicht die Motivation war.
Die Kampagne gegen Siemens bezeichnet Siemens ja auch nicht als deutsche Blutsauger.
Mercedes stellt Tretminen her und wird daher von manchen weltweit als "Moerder" bezeichnet, aber nicht als "Deutsche Moerder."
Dies habe ich geschrieben:
"The German media is very critical of any wrong doing by the US government, a few US soldiers and many US companies. Hedge funds were not just characterized as bloodsuckers, but as American bloodsuckers. German companies receive less criticism. Sometimes they even receive government support for doing business with rogue states. "
http://atlanticreview.org/archives/172-Genocide-U.S.-calls-for-more-sanctions-against-Sudan,-but-Germany-sees-business-opportunities.html
Posted by: Atlantic | December 12, 2005 at 02:52 AM