Crookedtimber.org hatte ein sehr informatives Seminar ueber Deutschland und Europa. Da Keynes auch bei der SPD unten durch ist ("Das ist krasser Keysianismus") kann man wohl sagen, dass man in Deutschland unter "Wirtschaftspolitik" nur Ordnungspolitik versteht. Das bedeutet eine rechtliche Grundlage fuer angemessenen (oder etwas maximalen?) Wettbewerb zu schaffen.
In der Schule wurde uns das so vermittlet, dass Ludwig Erhard vor allem mittelstaendige Unternehmen sehen wollte, die natuerlich durch den entstehenden Wettbewerb die Preise niedrig halten sollte. Was damals natuerlich nicht so rueberkam, war die oekonomische Wohlfahtsanalyse, die ja etwas differenzierter ist. Aber klar sollte natuerlich niemand grosse Markmacht haben um Preise oder Mengen zu bestimmen.
Spaetestens seit der Vereinigung, aber evtl doch seit den 70ern, ist Nachfragepolitik ausgeschlossen. Mein Vater hat mir immer von Schmidt erzaehlt der lieber 5% Inflation wollte als 5% Arbeitslosigkeit und dann halt beides hatte. Inflation ist daher ganz einfach der Feind, der unter allen Umstaenden bekaempft werden muss. Auch 3% waere natuerlich viel zu hoch und wie der Economist in den 90ern geworben hatte, 0% ist das richtige Ziel.
Implizit darin ist halt die Haltung, dass Geld keine Auswirkung hat (es sei denn es wird weniger Wert) und sich alles um reale, inflationsbereinigte, Mengen dreht.
Als Deutscher, der die Vereinigung erlebt hat und die Entwicklung seither verfolgt hat, sollte man da sehr skeptisch sein. Die neuen Bundeslaender sind nicht zu bluehenden Landschaften geworden, es sei denn man verseht es woertlich. Der Wechselkursmechanismus ist damals an der deutschen Haltung zerbrochen.
Warum war die heutige Krise wenige Jahre nach dem Ende (OK, der massiven Krise) des EWS nicht abzusehen?
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