Da wenige die Ursache und das Ausmass der derzeitigen Krise verstehen zu scheinen, denke ich, dass es angemessen ist Europaeern (Deutschen?) eine Alternative zur oeffentlichen Diskussion zu bieten. Staatsschulden schlecht, Guertel enger gut scheint der einzige Blickwinkel zu sein. Warum sonst die Amis "ratlos" nennen (was schlagen die Deutschen denn vor?) und Waehrungsmanipulation vorwerfen? Gibt es denn keine Konjunkturepolitik und wie sollte die aussehen?
Um zu praktikabelen Loesungsansaetzen zu kommen sollte man erst wissen was denn ueberhaupt passiert ist:
While the interest rates set by the European Central Bank (ECB) have successfully kept Europe-wide inflation rates below the inflation target of two percent, individual countries’ inflation and growth rates have continued to differ. For instance, while inflation in German was below the target for eight out of the ten years 1999-2008, the inflation rates in Ireland, Greece, Portugal and Spain exceeded the target every year. This translated into a strongly pro-cyclical monetary stance in much of Europe, with rising real interest rates (i.e. nominal rates minus inflation) that further depressed domestic demand in Germany, and falling rates for the higher-inflation Southern European countries, which fueled a consumption and housing boom.2 National wage-bargaining institutions further amplified these differences, with Northern European countries’ more coordinated wage-bargaining better suited to delivering wage moderation than the decentralized systems in Southern Europe and Ireland. As Fritz W. Scharpf had foreseen two decades ago, Germany and a few Northern countries became increasingly cost-competitive and trade imbalances within the Eurozone increased.3
Statt grosse wirtschaftliche Fortschritte zu bringen, hat also der Euro, bzw. die damit verbundene gemeinsame Geldpolitik, den Norden weiter geschwaecht und die suedlichen Laender und Irland durch z.T. erheblich niedrigere Zinsen "ueberhitzt". Hoehere (im Vergleich zum Durchschnitt und vor allem Deutschland) Inflation und niedrigere Zinsen bedeuteten eben noch niedrigere (evtl auch negative) reale Zinsen in schwaecheren Laendern.
Niedrige Zinsen bedeutet, dass sich Kapitalanlagen leichter finanzieren lassen. Und niedrigere Zinsen fuehren zu hoeheren Preisen von Kapitalguetern (durch die Abzinsen zukuenftiger Zahlungsstroeme mit niedrigeren Zinssaetzen). Solche Anlagen koennen eben auch Immobilien sein, wo das Zinsniveau sich durch eine niedrigere monatliche Hypothekenzahlung bei gleichem Schuldbetrag bemerkbar macht.
Wie in den USA auch, ist es u.a. deswegen zu einem Immobilienboom in Spanien und Irland gekommen. Das Ausmass hat mit anderen Dingen zu tun, aber die Spekulationsblase wurde erst, zumindest in den USA, durch die aus den fallenden Zinsen entstandenen Preiserhoehungen groesser.
Dann platzte die Blase und die bis dahin wenig verschuldeten Iren und Spanier mussten die massiven Einbrueche des Steueraufkommens mit Schuldenaufnahmen ausgleichen. Die Iren haben dann noch, anders als die Islaender, die Schulden ihrer Banken garantiert und sind jetzt, wie der Ami sagt, richtig gefickt.
Und der Deutsche predigt da nur Sparen! Wie waers wenn die Deutschen die schlechten Investitionen ihrer eigenen Banken in Irland, Griechenland und Spanien einsteckten? Bis ihr das tut, habt ihr am Elend der restlichen Europaer, von der Ursache der Krise mal abgesehen, schuld.
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